Ursula Rodel

Ursula Rodel · Kollektionszeichnung, 1980. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Ursula Rodel · Kollektionszeichnung, 1980. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Ursula Rodel in ihrem Atelier über dem Laden von Thema Selection, Weite Gasse 9, Zürich, undatiert. Foto: Candid Lang / Staatsarchiv ­Kanton Aargau / Ringier Bildarchiv

Ursula Rodel in ihrem Atelier über dem Laden von Thema Selection, Weite Gasse 9, Zürich, undatiert. Foto: Candid Lang / Staatsarchiv ­Kanton Aargau / Ringier Bildarchiv

Hinweis

Ursula Rodel

Zürich — «Wild und schön» leuchtet als geschwungener, neonpinker Schriftzug von der schwarzen Wand des schatullenähnlichen Pavillons im ersten Stock des Landesmuseums. Eine leichte Rampe führt hinauf ins Universum von Ursula Rodel (1945–2021). Es ertönen Klänge aus Ravels ‹Bolero›, Originalstücke aus ihrem Schaffen sind wie auf einem Laufsteg aufgereiht, ein diagonal gestreifter schwarz-roter Teppich dämpft die Schritte, ein samtgolden schimmernder runder Divan lädt zum Pausieren.
Der Lebenslauf der Künstlerin und Modepionierin ist in der Ausstellung eingebettet in den zeitlichen Kontext und führt uns in eine Ära, in der das Leben noch unter der Haut der spröden Limmatstadt pulsierte. Die aus einer Aargauer Hotelier-Familie stammende Rodel arbeitete anfangs der 1970er-Jahre als Stylistin im Globus (wo sie Walter Pfeiffer kennenlernte), bevor sie 1972 zusammen mit Katharina Bebié-Lardelli (*1939) und Sissi Zöbeli (*1949) das Modelabel Thema Selection gründete und an der Weiten Gasse 9 im Zürcher Niederdorf den ersten Laden eröffnete.
Stoffmuster, Kleider, Zeichnungen und Skizzenbücher bieten Einblick in die Welt hinter Schaufenstern und Laufstegen, wo sich sehr viel und sehr harte Arbeit offenbart. Rodel entwarf alles von Hand, ihre Bilder sind Kunstwerke mit eigener Statur, kraftvoll-farbig, ohne Zurückhaltung in der Strichführung. Die wenigsten Entwürfe wurden realisiert. Ihr zeichnerisch geprägtes Spätwerk und Arbeiten aus ihrem eigenen Label Ursula Rodel Création (ab 1986) werden in der Ausstellung ebenso gewürdigt wie die drei legendären Modeschauen von Thema Selection, an denen unter anderem die Untergrund-Ikone Irene Staub alias Lady Shiva lief. Mit Staub (1952–1989) verband Rodel eine lange Partnerschaft.
Die Anfänge des Ladens waren bescheiden, erst ein begeisterter Artikel in der amerikanischen Vogue brachte internationale Anerkennung. Rodel kam in der Folge zu Aufträgen aus der Filmbranche, wo sie Catherine Deneuve – auch privat – einkleidete, und schloss Freundschaften über Sprach- und Kulturgrenzen hinaus. Das ikonische «Ziggy-Stardust-Foto» auf dem Ausstellungsplakat entstand in den 1980ern in Paris. Ihr letztes kleines Atelier befand sich an der Hohlstrasse, daraus sind Werkzeuge wie auch Entwürfe und letzte Kreationen zu sehen. Ihre Mitgründerin Sissi Zöbeli leitet noch heute die Thema Selection, und der Laden befindet sich immer noch im Niederdorf, unterdessen an der Spiegelgasse 16. 

Bis 
31.03.2024
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
wild und schön — Mode von Ursula Rodel 21.07.202331.03.2024 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Ursula Rodel
Autor/innen
Thomas Schlup

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