Une sensation contemporaine

Miriam Cahn · Zeitgenössisches Gefühl, 2009, Öl auf Leinwand, 125,2 x 81,5 cm. Foto: Annik Wetter

Miriam Cahn · Zeitgenössisches Gefühl, 2009, Öl auf Leinwand, 125,2 x 81,5 cm. Foto: Annik Wetter

Kateryna Lysovenko · Oxana (The Hunt), 2023, Bleistift, Wasserfarbe auf Papier, 40 x 30 cm,  aus der Serie ‹History 2, from the words of the invaders, written for the general public by the official media of their country›, 2023

Kateryna Lysovenko · Oxana (The Hunt), 2023, Bleistift, Wasserfarbe auf Papier, 40 x 30 cm,  aus der Serie ‹History 2, from the words of the invaders, written for the general public by the official media of their country›, 2023

Hinweis

Une sensation contemporaine

Grand-Lancy / Genf — Diese Ausstellung ist Gegengift gegen die Verleugnung der Krise, die sich seit der Verpflichtung des Globus auf materielles Wachstum in den 1970er-Jahren auftürmt und nun unmittelbar droht, über uns alle einzubrechen. Die Nahrungsreserven werden knapp, und nicht wenige Schurken versuchen bereits, das Recht der Stärkeren für deren Überleben in Erdbunkern und Raumschiffen zur Tagesordnung zu erklären. Der Besuch der Schau ‹Une sensation contemporaine› in der Villa Bernasconi ist eine Stunde der Wahrheit inmitten einer irren Tendenz zu Esoterik und zum Glauben an einen technischen Fortschritt, der kaum mehr das Leben verbessern kann, nur dessen letzte Ressourcen erschöpft. So zeigt die Auswahl von Werken, die aus der Sammlung von Genfs Fond cantonal de l’art contemporain und aus den Jahren 1990 bis 2016 stammen, dass die aktuellen Probleme im Grunde längst bekannt sind. In der ältesten Arbeit – ein trotz des dystopischen Charakters optimistisches Ölbild von Jean-Frédéric Schnyder – ragt ein im Titel als ‹Gösgen IX› bezeichnetes Atomkraftwerk mit Strommasten aus üppiger Natur, wie sie inzwischen überall zunehmend vertrocknet. Das jüngste Werk – eine die Buchstabenfolge «onde» des Covers von Le Monde vom 3.11.2015 aufblasende und vernebelnde Lithografie von Alain Huck – verweist auf die teils selbst auf Spitzenebene nicht mehr aufklärende Medienlandschaft. Titelgebend für die Schau war Miriam Cahns Gemälde ‹Zeitgenössisches Gefühl›, 2009, das eine nackte Figur mit geisterhaftem Gesicht zeigt.
Drei dazugeladene ukrainische Künstlerinnen machen die Opfer deutlich, die Menschen in der Ukraine seit dem 24.1.2022 erbringen, um einer Diktatur Einhalt zu gebieten, die – auch in Kollaboration mit westlichen Kleptokraten – die letzten Werte der Demokratie angreift. Anna Zvyaginstsevas weisses, fein mit Zeichnungen des Kriegs versehenes Gewand wirkt wie ein Brautkleid und Leichenhemd zugleich. Auch in Alevtina Kakhidzes Versuch, ihr Werk durch eine Zerstreuung ihres Archivs zu retten, vermischen sich Hoffnung und Verzweiflung. Kateryna Lysovenko schliesslich erhellt, wie Putins Propaganda funktioniert. So hat sie zeichnerisch die Zerstörung des Theaters von Donetsk in Mariupol am 16.3.2022 nach Berichten der Überlebenden der Bevölkerung, die dort Zuflucht suchte, sowie der offiziellen Presse in Russland festgehalten – just nach dem Verbrechen und erneut ein Jahr danach: Die Opfer wurden erst als Nazis dargestellt und die wenigen Überlebenden später als reuig und Russlands Völkervereinigung dankbar. 

Bis 
03.12.2023
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Une sensation contemporaine 01.10.202303.12.2023 Ausstellung Genève
Schweiz
CH

Werbung