Space is the place

Unfold · Sea of Tranquility, 2015, Ausstellungs­ansicht mudac, Lausanne. Foto: Etienne Malapert

Unfold · Sea of Tranquility, 2015, Ausstellungs­ansicht mudac, Lausanne. Foto: Etienne Malapert

Jean-François D’Or · L’Indécis, 2021, Ausstellungsansicht mudac, Lausanne. Foto: Etienne Malapert

Jean-François D’Or · L’Indécis, 2021, Ausstellungsansicht mudac, Lausanne. Foto: Etienne Malapert

Hinweis

Space is the place

Lausanne — Ob ich einen Herzschrittmacher habe, will der nette Mann am Empfang wissen. Es klingt wie eine Warnung, so als sei das Programm ‹Space is the place› nichts für schwache Nerven. Bestehend aus zwei Ausstellungen, einer filmischen Retrospektive, vier Installationen im öffentlichen Raum und einem zugehörigen Veranstaltungsprogramm, bestimmt ‹Space is the place› das gesamte Herbstprogramm des mudac. Davon ist ­‹Terra – Le design de notre planète› eine Eigenproduktion, der mit ‹Cosmos – Design d’ici et au-delà› eine Ausstellung vorangestellt wird, die vom CID Centre d’innovation et de design im belgischen Grand-Hornu übernommen wurde. Die zwei Ausstellungen, die nahtlos ineinander übergehen, sind stichwortartig in Kapitel unterteilt. So geht es vom Solarsystem zu den Galaxien und weiter zu den Universalgesetzen. Die Kapitel dienen dabei als Handlauf, anhand dessen man sich orientieren kann, wo man sich gerade thematisch im Weltraum befindet. Das ist hilfreich, denn die gezeigten Objekte und Werke vermögen oft nur ansatzweise die vertiefte Auseinandersetzung zu vermitteln, mit der sich die zahlreichen Designer:innen und Künstler:innen dem Thema gewidmet haben.
Nicht selten kippen Design und Wissenschaft ins Poetische, so wie bei der Installation ‹Sea of Tranquility›, 2015, von Unfold, in der das Duo aus den Niederlanden mit einem Duftdesigner zusammenarbeitete, um den Geruch von Mondstaub nachzuahmen. Ausgangspunkt dafür sind die Erinnerungen von zwölf Astronauten in den NASA-Unterlagen der Apollo-12-Expedition aus dem Jahr 1969. Poetisch schlicht wirkt auch die Arbeit ‹Universe Composition›, 2012, von Wyssem Nochi, der in einem kleinformatigen Wandteppich die Materie des Universums quantifiziert. So besteht die Arbeit primär aus schwarzer und grauer Wolle (stellvertretend für 99,6 % Dunkle Energie, Dunkle Materie und intergalaktisches Gas) mit nur einem schmalen Streifen Weiss, der die uns bekannte 0,4 % Materie darstellt. Die Auflösung zur initialen Frage nach dem Herzschrittmacher findet sich in der Arbeit ‹L’Indécis›, 2021, von Jean-François D’Or. Der belgische Designer lässt in einer zufälligen Choreografie der physikalischen Anziehungskraft ein Pendel über acht grossen Magneten kreisen. In der Gänze ist das alles ein bisschen «all over the place». Dennoch ist es eine vergnügliche Doppelausstellung, in der auch grosse Fragen Platz finden und es wunderbare Werke zu entdecken gibt. 

Bis 
04.02.2024
Institutionen Land Ort
Mudac Schweiz Lausanne
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Space is the place 08.09.202304.02.2024 Ausstellung Lausanne
Schweiz
CH
Autor/innen
Rebecka Domig

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