Not My Circus, Not My Monkeys — Die Kunst mit dem Zirkus

Kathryn Andrews · Collapse, 2023, diverse Materialien, Courtesy König Galerie, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Thun. Foto: David Aebi

Kathryn Andrews · Collapse, 2023, diverse Materialien, Courtesy König Galerie, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Thun. Foto: David Aebi

Ugo Rondinone · If There Were Anywhere but Desert. Saturday, 2001 (links); Latifa Echakhch · o. T. / untitled (German Wheel and Two Figures), 2012, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Thun. Foto: David Aebi

Ugo Rondinone · If There Were Anywhere but Desert. Saturday, 2001 (links); Latifa Echakhch · o. T. / untitled (German Wheel and Two Figures), 2012, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Thun. Foto: David Aebi

Besprechung

‹Das Motiv des Zirkus in der zeitgenössischen Kunst› mag zunächst nach ungetrübter Welt des Spektakels klingen. Was im Untertitel nüchtern mitschwingt, führt uns eine gross angelegte Schau im Kunstmuseum Thun jedoch in seiner ganzen Ambivalenz vor Augen. Vom Clownskostüm bis zur Katastrophe.

Not My Circus, Not My Monkeys — Die Kunst mit dem Zirkus

Thun — Schon das titelgebende Sprichwort ‹Not My Circus, Not My Monkeys› – kurz: es geht mich nichts an – ist mehrdeutig. Zumal hinter der vordergründigen Verweigerung eine dezidierte Auseinandersetzung der Ko-Kuratorinnen Helen Hirsch und Katrin Sperry zu Themen der Schau und Zurschaustellung steckt. Daraus entstanden ist im Kunstmuseum Thun eine ebenso sorgfältig wie spannend kuratierte Ausstellung mit Werken von über zwanzig internationalen Künstler:innen.
Gleich eingangs lädt uns Boris Rebetez (*1970) auf eine Tribüne, deren Rundung von der Manege abgewandt ist. ‹Regarde et je regarde aussi›, 2001, hält uns, wenn auch «en miniature», den Spiegel vor und treibt ein Spiel mit der «verkehrten Welt». So treffen wir in der Ausstellung immer wieder auf scheinbar Verdrehtes und Ungewohntes. Als Metapher für die Melancholie, oder aber als Geste der Entsagung und Abkehr von der gewohnten Zirkusnummer. Bei Kathryn Andrews (*1973) etwa baumelt ein Clownskostüm verlassen an einem Tierkäfig, und Ugo Rondinone (*1964) hängt die Schuhe eines Clowns buchstäblich an den Nagel. Anderswo lässt er den Komiker erschlafft zu Boden sinken, der ständigen Belustigung müde geworden. Francisco Sierra (*1977) zeigt auf zwei Bildern Clowns, deren Lachen zum fratzenhaften Grinsen erstarrt ist, und auf dem monumentalen Wandteppich ‹The Opposite of Me Is I›, 2011, von Miriam Bäckström (*1967) posiert der schwedische Starschauspieler und Regisseur Börje Ahlstedt mit konsterniertem Blick als tragisch-komischer Pierrot. Weiter trollen zottelige Zirkustiere aus Gips von Nicola Hicks (*1960) frei herum und verkünden auf Zirkusplakaten ihr Aufbegehren. Ein metallenes Röhnrad von Latifah Echakhch (*1974), worin Artist:innen gewöhnlich ihre Kreise drehen, steht dagegen verlassen da, und Dieter Meier (*1945) inszeniert sich als glamouröser Zauberer, doch, wie der Titel schon verrät, als ‹Der falsche Magier›, 1982.
Immer wieder treten Artist:innen und Zirkustiere eigenwillig auf und stellen das Verhältnis zwischen Vorführenden und Vorgeführten kritisch ins Rampenlicht. Schliesslich steht mittendrin ein halb eingefallenes Zirkuszelt von Kathryn Andrews. Kombiniert mit Fotografien tatsächlich eingebrochener oder gar brennender Zirkuszelte offenbart sich eine fatale Realität. Beachtenswert ist auch der Katalog zur Ausstellung, worin der Diskurs vertieft und weitergeschrieben wird. 

Bis 
03.12.2023
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Not My Circus, Not My Monkeys 15.09.202303.12.2023 Ausstellung Thun
Schweiz
CH
Künstler/innen
Kathryn Andrews
Ugo Rondinone
Autor/innen
Marc Munter

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