Matisse, Derain und ihre Freunde

Henri Matisse · Intérieur à Collioure (La Sieste), 1905, Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm, Sammlung Gabriele und Werner Merzbacher, Dauerleihgabe im Kunsthaus Zürich © Succession H. Matisse / ProLitteris

Henri Matisse · Intérieur à Collioure (La Sieste), 1905, Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm, Sammlung Gabriele und Werner Merzbacher, Dauerleihgabe im Kunsthaus Zürich © Succession H. Matisse / ProLitteris

André Derain · Le Port de Collioure, 1905, Öl auf Pappe auf Leinwand, 47 x 56 cm, Staatsgalerie Stuttgart © ProLitteris

André Derain · Le Port de Collioure, 1905, Öl auf Pappe auf Leinwand, 47 x 56 cm, Staatsgalerie Stuttgart © ProLitteris

Hinweis

Matisse, Derain und ihre Freunde

Basel — Man spürt förmlich die Explosivität dieser Kunst, in der sich so vieles expressiv ankündigt. Nur weg vom Akademischen, getreu oder ideal Nachbildenden und hin zu befreiter Faktur, zur reinen Farbmalerei. Das Fin de Siècle ist passé; neues, intensiveres Leben braucht die Kunst, neue Formen, neue Kräfte. Ungenormtes. Das Genormte, die allgemeinen Erwartungen Erfüllende nimmt sich «au milieu de l’orgie des tons purs» aus wie «Donatello chez les fauves». So heisst es in Louis Vauxcelles’ Kritik zum Salon d’automne 1905, wenn er über die Werke in der Salle VII schreibt, in der Künstler wie Matisse, Marquet, de Vlaminck, Manguin, Camoin oder Derain vertreten sind. Die «wilden Tiere» machen sich den Übernamen gleich zu eigen, der Fauvismus, der im Dezember 1904 in einem Pariser Atelier begann, ist geboren. ‹Matisse, Derain und ihre Freunde – Die Pariser Avantgarde 1904–1908› macht das lebendig und nachvollziehbar. Die Ausstellung präsentiert die vielen, vor über hundert Jahren entstandenen, heute längst beim Publikum angekommenen Werke – neben Ölgemälden Skulpturen, Keramiken und Arbeiten auf Papier – so, dass man sich am Anfang der vor Energie sprühenden Bewegung wähnt, die zur ersten Avantgarde-Bewegung des neuen Jahrhunderts werden sollte.
Wer sich auf diese Anfangsfrische wie auf zum ersten Mal Gesehenes einlässt, wird belohnt mit der Erfahrung von Schönheit, der Schönheit des suchend gelungenen Werkes, in dem sich Farben und Linien emanzipieren, Schatten nicht vorhanden sind oder eigenwillige Wege gehen, nicht anders als Fläche und Perspektive: Derains Ansichten von Collioure, Matisse’ ‹La Sieste› oder Marquets ‹Passarelle à Sainte-Adresse›, alle aus dem Wunderjahr 1905, dem das Folgejahr mit Derains London-Gemälden, Stillleben und Porträts von Matisse und Marquets ‹Affiches à Trouville› in nichts nachsteht. Die lockere Verbindung von wechselnden Künstlern und wenigen Künstlerinnen schuf – Cézanne, den (Neo-)Impressionismus, erste Begegnungen mit alter französischer und nichteuropäischer Kunst im Rücken – in wenigen Jahren eine Reihe revolutionärer Werke, die folgenreich in die Zukunft wirken. Auch das thematisiert die Basler Schau. Die zeichnet sich zudem dadurch aus, dass die Werke nicht nur in ihrer ästhetischen Zeitlosigkeit zu erleben sind, sondern dank einer Fülle von Fotografien und Dokumenten auch im Kontext sozialer Verhältnisse. Der Katalog mit seinen Essays und Reprints ist sehr zu empfehlen.

Bis 
21.01.2024
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Matisse, Derain und ihre Freunde 02.09.202321.01.2024 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
André Derain
Henri Matisse
Autor/innen
Angelika Maass

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