Markus Raetz — Bilder in Bewegung

Markus Raetz · Chambre de lecture, 2013–2015 (Ausschnitt), Eisendraht, Polyamidfaden, Sitzbank, Aargauer Kunsthaus, Aarau © ProLitteris, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Bern

Markus Raetz · Chambre de lecture, 2013–2015 (Ausschnitt), Eisendraht, Polyamidfaden, Sitzbank, Aargauer Kunsthaus, Aarau © ProLitteris, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Bern

Markus Raetz · Mimi, 1979, Ausführung 2004, Eichenholz, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Bern © ProLitteris. Beide Fotos: Rolf Siegenthaler

Markus Raetz · Mimi, 1979, Ausführung 2004, Eichenholz, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Bern © ProLitteris. Beide Fotos: Rolf Siegenthaler

Besprechung

Ausgangspunkt der Überblicksschau von Markus Raetz im Kunst­museum Bern ist der kürzlich erschienene ‹Catalogue raisonné› zum plastischen Werk. Die Ausstellung, die darüber hinaus Zeichnungen zeigt, lädt dazu ein, das Œuvre des Schweizer Künstlers von verschiedenen Seiten zu erkunden.

Markus Raetz — Bilder in Bewegung

Bern — «Für die Präsentation seiner Werke bevorzugte Markus Raetz (1941–2020) stets den Altbau des Museums», sagt Stephan Kunz vom Bündner Kunstmuseum, der als Gastkurator die Retrospektive in Bern konzipierte. So erstreckt sich ‹Markus Raetz – oui non si no yes no› über zwei Stockwerke des alten Stettlerbaus, wobei der Auftakt bewusst in die Mitte, ins Foyer des Obergeschosses, gelegt wurde. Zurückhaltend, doch repräsentativ, ist hier etwa die Wandarbeit ‹Schwimmer/Ramatuelle›, 1984, zu sehen, mit zwei in entgegengesetzte Richtungen blickenden Schwimmern, oder die Eisenplastik ‹Kopf 1›, 1992, die nach halber Umgehung auf dem Kopf steht.
Von diesem Raum aus ermöglicht die Ausstellung verschiedene Zugänge zu den Arbeiten aus den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Mit der Installation ‹ohne Titel (Wolke)›, 2020, wurde gar ein Werk aus letzten Entwürfen des Künstlers eigens für die Retrospektive realisiert. Von ihm gerne verwendete Motive wie eine Mickey Mouse, eine Weinflasche oder eine Tabakpfeife hängen aus Draht geformt in ständiger Bewegung von der Decke. Diese sogenannten Mobiles aus dem Spätwerk sind in den benachbarten Sälen gleich mehrfach zu sehen, manche zum ersten Mal.
Auf den unterschiedlichen Wegen, die durch die Ausstellung genommen werden können, spiegelt sich Raetz’ Werk, das stetig um Phänomene der Wahrnehmung und der optischen Illusion kreist. Chronologisch beginnt die Schau im Erdgeschoss mit Zeichnungen wie den ‹Notizbüchern›, die den Objekten und Installationen vorangehen. Sie machen die Eigenständigkeit der Ausstellung gegenüber dem vom Schweizerischen Institut für Kunstgeschichte erstellten Werkverzeichnis zur Plastik aus. Darauf folgen ‹Zeichnungen im Raum›, zum Beispiel die liegende Holzfigur ‹Mimi›, 1979, weiter die ‹Metamorphosen›, deren Form sich je nach Standpunkt verändert: so bei den Antonymen ‹si – no›, 1996, und ‹todo – nada›, 1996, oder bei Werken wie ‹Hasenspiegel›, 1988/2000, und ‹Nichtpfeife›, 1990/1992, deren Bezüge zu Magritte und Beuys offensichtlich sind. Zusätzlich Aufschluss zu Werk und Künstler geben ein digitaler Führer sowie eine Neufassung des Filmporträts zu Markus Raetz von Ivan Schumacher aus dem Jahr 2008.
Schade, dass im Gegensatz zur vielseitigen Ausstellung an erster Stelle Männer für Begleitkatalog und Rahmenprogramm engagiert wurden. Trotzdem eröffnet gerade die Publikation mit Fokus auf Raetz’ Atelier ebenso feinsinnige wie erweiternde Perspektiven auf das Werk dieses wichtigen Schweizer Künstlers. 

Bis 
25.02.2024
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
MARKUS RAETZ. oui non si no yes no 08.09.202325.02.2024 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Autor/innen
Marc Munter
Künstler/innen
Markus Raetz

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