Annina Thomann — Die Starken

Annina Thomann · Die Starken, 2023, ­Aluminium, Kunst und Bau, Manegg, Zürich. Foto: Markus Bertschi

Annina Thomann · Die Starken, 2023, ­Aluminium, Kunst und Bau, Manegg, Zürich. Foto: Markus Bertschi

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Annina Thomann — Die Starken

Zürich — Die Renaturierung der kanalisierten Flüsse schafft Lebensraum für Flora und Fauna. So auch in der Manegg, diesem neuen Stadtteil zwischen Sihl und Autobahn: Hoch an der Fassade der Überbauung prangt eine riesige Wandermuschel, bei den Hauseingängen begegnet man sphinxartigen Larven, Käfern, Würmern und Krebsen. Annina Thomann (*1987) ist für ihr Kunst-und-Bau-Werk in die Rolle einer Gewässerökologin geschlüpft und hat die möglichen Auswirkungen des neuen Quartiers auf die «Urbewohner» der Sihl, die sogenannten Makroinvertebraten, untersucht. Mit künstlerischer Imagination hat sie Skulpturen aus Aluminium dieser gefährdeten wirbellosen Kleinstlebewesen erfunden, die in ihrer Vergrösserung und Mutation wie die neuen Superhelden wirken. Jedes Werk ist wissenschaftlich beschriftet: Wir lernen etwa die ‹Widerständige Schlammschnecke – Radix balthica renitens›, den ‹Schnellen Taumelkäfer – Orectochilus villosus cito› oder den ‹Begeisterten Bachflohkrebs – Gammarus sp. Exicatur› kennen. Thomann hat sie ‹Die Starken› getauft, abgeleitet vom keltischen Wort «Sihl», das «die Starke» bedeutet. Ihnen zu Ehren finden sich auch verschiedene Ortsbezeichnungen in der Überbauung, so der ‹Makroinvertebraten Platz› oder ein ‹Wirbelloser Weg› – sogar ein Parkfeld ist für sie reserviert. Das Projekt ist Teil der zwischen Realität und Fiktion angesiedelten ‹Institution des Bundesamtes für Kuriositäten›, mit der die St. Galler Künstlerin temporär schon verschiedentlich in Erscheinung getreten ist. Nun konnte sie im Rahmen des Kunstprogramms ‹Mobimo & Art› von Mobimo erstmals eine permanente Installation realisieren.
 

→ Überbauung Manegg, Allmendstrasse 90–104, Zürich ↗ mobimo.ch ↗ artlist.net

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