Anekdoten des Schicksals

Annie Stebler-Hopf · Am Seziertisch (Professor Poirier, Paris), um 1889, Öl auf Leinwand, 114 x 147 cm, Kunstmuseum Bern

Annie Stebler-Hopf · Am Seziertisch (Professor Poirier, Paris), um 1889, Öl auf Leinwand, 114 x 147 cm, Kunstmuseum Bern

‹Anekdoten des Schicksals›, Ausstellungs­ansicht Kunstmuseum Bern. Foto: Rolf Siegenthaler / Kunstmuseum Bern

‹Anekdoten des Schicksals›, Ausstellungs­ansicht Kunstmuseum Bern. Foto: Rolf Siegenthaler / Kunstmuseum Bern

Hinweis

Anekdoten des Schicksals

Bern — Die Ausstellung ‹Anekdoten des Schicksals› im Kunstmuseum Bern beginnt selbst mit einer Fügung: Unlängst stiess die Sammlungskuratorin Marta Dziewańska im Depot auf die künstlerisch bemerkenswerten, doch kaum beachteten Werke der Schweizer Malerin Annie Stebler-Hopf (1861–1918). Es folgte die Idee zu einer Einzelausstellung, und in einem Aufruf wurde die Öffentlichkeit um Auskünfte und weitere Werke der Künstlerin gebeten. Der Rücklauf war gering, das Projekt wurde fallen gelassen, nicht aber das Anliegen, wofür die Episode ebenso steht: selten bis nie gezeigte Werke der Sammlung und ihre «Geschichten» dem Publikum näherzubringen. So wurden Arbeiten von nahezu 80 Künstler:innen, vorwiegend aus der Schweiz, für eine Ausstellung ausgewählt, darunter auch mehrere von Stebler-Hopf. Wobei nun neben einigen Skulpturen und Objekten vor allem Gemälde und kleinformatigere Papierarbeiten gezeigt werden. Letztere seien zum Teil den beschränkten Mitteln und Möglichkeiten der Künstlerinnen geschuldet, so die Kuratorin. Was umgekehrt nicht zum Klischee oder Kriterium für die künstlerische Qualität werden sollte. So beeindrucken etwa die Collagen und kleinen Hinterglasbilder von Nell Walden (1887–1975) mit einer ganz und gar eigenen, ebenso feinen wie verspielten Ästhetik.
In die nach Kapiteln wie ‹Instabile Grenzen›, ‹Dimensionen des Selbst› oder ‹Verbundensein› geordnete Ausstellung, die weiter nach Motiven wie ‹Muse›, ‹(Selbst)Porträt›, ‹Landschaft› oder ‹Gemeinschaft› unterteilt sind, tauchen auch unbekannte Werke von bekannteren Künstler:innen auf: von Marguerite Frey-Surbek, Emma Kunz, Alice Bailly oder Meret Oppenheim; von ihr beispielsweise das sachlich realistische Stillleben ‹Vier Flaschen und ein Glas›, 1939. Gegenübergestellt sind sie sogenannten Schlüsselwerken der Sammlung: Bildnissen, Stillleben und Landschaften von Böcklin, Anker, Hodler, Klee oder Kirchner. Im Nebeneinander mit den hauptsächlich männlich konnotierten «Meister-Werken» werden aber auch tradierte Vorstellungen und Rollenbilder sowie die gängige Kunstgeschichte fortgeschrieben. Die Texte, die von eingeladenen Autor:innen wie Melinda Nadj Abonji (*1968), Dorothee Elmiger (*1985) und Frédéric Zwicker (*1983) zu den Werken verfasst wurden, halten dem ebenfalls wenig entgegen, zumal sie der Literatur verhaftet sind. Sehenswert sind die «Trouvaillen» der Sammlung gleichwohl, und weitere «Anekdoten», ergänzt um Werke der jüngeren Gegenwart, sind durchaus wünschenswert.

Bis 
07.01.2024
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Anekdoten des Schicksals 28.07.202307.01.2024 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Autor/innen
Marc Munter
Künstler/innen
Annie Stebler-Hopf
Nell Walden

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