André Thomkins

André Thomkins · lies, magie zeig am seil!, 1968, Offsetdruck auf Papier, 24,1 x 16,8 cm, Nachlass André Thomkins / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz

André Thomkins · lies, magie zeig am seil!, 1968, Offsetdruck auf Papier, 24,1 x 16,8 cm, Nachlass André Thomkins / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz

André Thomkins · Quadratur des Lebenslaufes (10 Anagramme von Lebenslauf), 1968, Buchstaben, gedruckt auf Papier und ausgeschnitten, auf Papier, 23 x 23 cm, Nachlass André Thomkins / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz

André Thomkins · Quadratur des Lebenslaufes (10 Anagramme von Lebenslauf), 1968, Buchstaben, gedruckt auf Papier und ausgeschnitten, auf Papier, 23 x 23 cm, Nachlass André Thomkins / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz

Hinweis

André Thomkins

Grenchen — Kein Zweifel, an den Arbeiten des früh verstorbenen Ausnahme-Wort-Bildkünstlers André Thomkins können wir uns kaum sattsehen. 1930 in Luzern geboren, verstarb er 1985 in West-Berlin auf dem Gipfel seines Ruhms. Eine gross angelegte Retrospektive im Kunstmuseum Liechtenstein, wo sein Nachlass verwahrt wird, unterstrich vor zehn Jahren seine herausragende Bedeutung für die europäische Nachkriegsmoderne. Das Kunstmuseum Solothurn zeigte in diesem Sommer eine weitere gewichtige Überblicksschau aus eigenen Beständen und der Sammlung des ebenso längst verstorbenen Freundes Serge Stauffer.
Warum der Künstler nun aber kurz darauf im nahegelegenen Kunsthaus Grenchen erneut gezeigt werden muss, diesmal mit einem Ausschnitt aus seinem druckgrafischen Werk, will nicht einleuchten. Der ambitionierte Titel ‹Panta rhei›, «alles fliesst», führt auf die falsche Spur. Sicher lassen sich die Übergänge vom Wort ins Bild und vom Bild ins Wort als flies-sender Vorgang beschreiben. Spezifisch für Thomkins’ druckgrafisches Werk ist dies jedoch nicht. Thomkins scheint an der Druckgrafik mehr als einem Mittel der Reproduktion der zeichnerischen Einbildungskraft denn als experimentellem Feld mit fluider Eigendynamik interessiert, wie das etwa bei seinem Freund und Kollegen Dieter Roth der Fall war. Roth begann seine Künstlerkarriere im Gegensatz zu Thomkins als Druckergehilfe. Ein wörtliches «Pantha rhei» gab es bei Thomkins allerdings. Er wurde für seine Lackskins berühmt. Dabei wurden ab 1955 Lackfarben in Wasser verbracht, manipuliert und auf Papier dergestalt abgezogen, dass surreale Traumräume entstanden. Von Druckverfahren ist der Vorgang nicht weit entfernt. Doch Lackskins zeigt man bis auf eine kleine Arbeit mit Stempeldruck, ‹serein beau de l’air›, 1956, in Grenchen nicht.
Dennoch erwarten uns am Jurasüdfuss zahlreiche Denk- und Augenfreuden. Während die Nachkriegsavantgarden ihre Werke überwiegend «ohne Titel» firmieren liessen, sind Werktitel bei Thomkins konstitutiv. Sie erweitern das Sichtbare auf dem Papier in den Imaginationsraum der Betrachtenden. Die Radierung ‹Trauer in Energie umwandeln›, 1975, zum Beispiel oder die Weichgrundätzung ‹Bahre: Bürde drüber hab›, 1975, sind surreal verspielte Seelenlandschaften, in denen selbstsichere Figurinen ihren Platz behaupten, um mit uns aus dem organisierten Bildraum auszubrechen. Die Reise lohnt sich.

Bis 
28.01.2024
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
André Thomkins (1930–1985): Panta rhei. Druckgraphiken 10.09.202328.01.2024 Ausstellung Grenchen
Schweiz
CH
Autor/innen
Max Glauner
Künstler/innen
André Thomkins

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