10+10+1 | Jubiläum Frauenkunstpreis

Maia Gusberti, Daria Gusberti · Fili, nodi e bucchi – nell’orbita della linea insubrica #1, 2023, Filmstill

Maia Gusberti, Daria Gusberti · Fili, nodi e bucchi – nell’orbita della linea insubrica #1, 2023, Filmstill

Salomé Bäumlin, Anouk Sebald · PussyLove, 2023, Video, Textil, 600 x 120 x 300 cm

Salomé Bäumlin, Anouk Sebald · PussyLove, 2023, Video, Textil, 600 x 120 x 300 cm

Hinweis

10+10+1 | Jubiläum Frauenkunstpreis

Interlaken — Im Rahmen des 20 Jahre Jubiläums des Frauenkunstpreises präsentiert das Kunsthaus Interlaken eine vielschichtige Schau. Insgesamt zehn ehemalige Hauptpreisträgerinnen wurden im Vorfeld eingeladen, mit einer Tandemperson ihrer Wahl an der Ausstellung teilzunehmen. Davon ausgehend starteten Maia Gusberti und Daria Gusberti beispielsweise ihr erstes gemeinsames Projekt. Als Ausgangsort diente ihnen ein Haus im Tessin, in welchem die Schwestern einen Grossteil ihrer Kindheit verbrachten und das ihnen auch heute noch Rückzugsmöglichkeit bietet. Während grob gehaltene Zeichnungen auf Gipsfaserplatten den das Haus umrundenden Horizont visualisieren, zeugen die Videoarbeiten von einer spielerischen Auseinandersetzung mit dem Ort und dessen Zeitlichkeit. Wer hat hier gewohnt, und wer wird das Haus zukünftig besetzen? Die Künstlerinnen greifen Fundstücke auf, die in ihrer Erinnerungen zweckfrei sind, und versuchen mit rituell anmutenden Gesten deren ursprünglichen Funktionen auf den Grund zu gehen. Anouk Sebald und Salomé Bäumlin wiederum führen in enger Zusammenarbeit ihre je sehr gegensätzlichen Medien zusammen. Unter dem Titel ‹PussyLove› hängt eine Tapisserie an langen Fäden von der Decke. Auf sie und darüber hinaus projiziert ist ein Video von knallig pinker Farbigkeit. Hier trifft langwierige Handarbeit auf die Flüchtigkeit des Mediums Film, Organisches auf Künstliches. Ganz anders gingen Tanja Schwarz und Olivia Abächerli vor. Sie produzierten eine Zeitung, in der ihre jeweils sehr investigativen Vorgehensweisen illustriert werden und welche die Besucher:innen mitnehmen können.
Während Matthias Jungck, der damalige Gründer der Stiftung Frauenkunstpreis, die Auszeichnung als «Angriff auf die von Männern dominierte Kunstszene» verstand, nimmt der Vorstand das Jubiläum zum Anlass, um über die Initialidee nachzudenken und sie im aktuellen Kontext zu verorten. Auch die zur Ausstellung erschienene Publikation bietet explizit den Künstlerinnen selbst Raum, um über ihre Schaffensweisen und Lebensformen zu sprechen, aber auch um ihre Einschätzungen zur aktuellen Situation von Frauen im Kunstbetrieb darzulegen sowie sich grundsätzlich zum Begriff «Frau» zu äussern. Eine erste Konsequenz darauf folgt alsbald. So wird nach der Verleihung an die diesjährige Preisträgerin Sereina Steinemann im Oktober der Preis zukünftig unter dem neuen Namen Jungck-Künstlerinnenpreis ausgeschrieben werden. 

Bis 
19.11.2023

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